Unternehmen

Klimaneutralität gemeinsam gestalten

Branchen-Initiative

Auf der Expo Real 2019 hat die Unternehmensgruppe Nassauische Heimstätte | Wohnstadt (NHW) ihre „Initiative Wohnen 2050 – klimaneutral in die Zukunft“ vorgestellt. Deren Ziel: Vernetzung der deutschen Wohnungswirtschaft mit Blick auf die Erreichung der Klimaziele. Gesucht werden Partner und Unterstützer in der eigenen Branche. Unterstützt wird das Engagement des größten hessischen Wohnungsunternehmens vom Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen (GdW) sowie vom Regionalverband VdW südwest.

Fotos: iStock.com

An Nachhaltigkeit kommt anno 2019 wirklich keiner mehr vorbei. Es vergeht kaum ein Tag, an dem nicht unter Einsatz aller Medienkanäle über nachhaltig agierende grüne Unternehmen berichtet wird. Der Klimawandel, der uns mit Siebenmeilenstiefeln ereilt, hat als historische Herausforderung die höchste Handlungspriorität. Aber auch die übermäßige Nutzung vorhandener Ressourcen oder der Verlust von Biodiversität fordern ein Umdenken ein. Der Fünf-Punkte-Plan von Bundesumweltministerin Svenja Schulze, die „Fridays for Future“-Bewegung, die Forderung nach höheren Flugpreisen – die Nachhaltigkeit als übergeordnetes Leitbild einer modernen Gesellschaft ist aktueller denn je. Mehr und mehr ist sie auch zum festen Bestandteil der Mission Statements zukunftsorientierter Unternehmen geworden, denn ein nachhaltiges und verantwortungsvolles Verhalten erfordert ein kritisches Hinterfragen des Kerngeschäftes. 

Deutschland verfehlt Klimaziele
Es geht bei diesem Thema längst nicht mehr nur darum, Energie effizient zu nutzen und gesetzlichen Vorgaben zu entsprechen. Alle Facetten des Klimaschutzes in ihrer praktischen Umsetzung als komplexes Zusammenspiel vieler Player in der Gesellschaft – von Lieferanten, Herstellern, Dienstleistern und Verbrauchern – genau das steht im Vordergrund. All dies gewinnt noch größere Bedeutung in Anbetracht dieser Fakten: Deutschland verfehlt die Klimaziele für das Jahr 2020 deutlich. Der Klimaschutzbericht 2018 belegt, dass statt der angestrebten 40 Prozent Treibhausgase im Vergleich zu 1990 lediglich etwa 32 Prozent eingespart werden. Auch für Akteure der Wohnungsbau- und Immobilienbranche bedeutet dies, nun schnellstmöglich zu handeln, um die anvisierten Werte noch zu erreichen oder gar zu verbessern. Denn ab 2020 wird es jährliche, sektorbezogene Emissionsziele geben. Die Einhaltung der Ziele 2030 ist nur einen Wimpernschlag entfernt. In den zehn Jahren dazwischen sieht sich Deutschland mit Strafzahlungen von 30 bis 60 Milliarden Euro wegen Nicht-Einhaltung verbindlicher Ziele konfrontiert.

Das Thermobild zeigt, wie viel Wärme – und somit Energie – bei älteren Gebäuden verloren geht.

Genau vor diesem Hintergrund initiierte die Unternehmensgruppe Nassauische Heimstätte | Wohnstadt im Rahmen der internationalen Immobilienmesse Expo Real 2019 einen bundesweiten Zusammenschluss: die „Initiative Wohnen 2050 – klimaneutral in die Zukunft“. Sie richtet sich an alle Wohnungsunternehmen in Deutschland – egal welcher Größenordnung – und strebt ein umweltpolitisches Bündnis der gesamten Branche an. Neben der strategischen Kooperation und einem fachlich-inhaltlichen Abgleich von bereits Erreichtem und den branchenbezogenen Zielen des völkerrechtlich verbindlichen Paris-Abkommens für 2050 steht die Kommunikation mit Branchenvertretern und politischen Entscheidern über finanzielle und wirtschaftliche Rahmenbedingungen im Fokus, da diese nötig sind, um die Vorgaben zu erreichen.

Solide Basis: Zielvereinbarung mit dem Land Hessen
Orientierung und Richtwerte bietet der Unternehmensgruppe dabei die vom Land Hessen verabschiedete „Zielvereinbarung für einen klimaneutralen Gebäudebestand 2050“. Als Unterzeichnerin dieser Übereinkunft übernimmt die größte hessische Wohnungsbaugesellschaft eine Vorbildfunktion. Schon Ende 2018 erfolgte der Beitritt zur Allianz für Entwicklung und Klima, einem Bündnis des Ministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Mit der „Initiative Wohnen 2050“ geht der Konzern einen weiteren bedeutenden Schritt auf dem schon seit über fünf Jahren eingeschlagenen Weg der Nachhaltigkeit. 

Initiative für CO2-neutrales Bauen und Wohnen
Besonders kleinere und mittelgroße Wohnungsbauunternehmen sollen vom Know-how und den Erfahrungen des hessischen Vorreiters profitieren. Dr. Thomas Hain, Leitender Geschäftsführer der Unternehmensgruppe Nassauische Heimstätte | Wohnstadt, erläuterte bei der Präsentation in München die Motivation zur Gründung der Initiative: „Die gesetzgebenden Akteure haben die Aufgabenstellung bis 2050 für uns als Wohnungsbauunternehmen klar formuliert. Eine Herausforderung für unsere ganze Branche – für die es jedoch bisher keinen Leitfaden und schon gar kein Patentrezept gibt. Wenn viele Unternehmen die Aufgabe schultern, alle an einem Strang ziehen und auch die Bundes- und Landespolitik unterstützend tätig ist, dann werden wir diese historische Herkulesaufgabe gemeinsam bewältigen können.“

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Unterstützung durch die Branchenverbände
Als erste Unterstützer haben der Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen (GdW) und der Verband der Südwestdeutschen Wohnungswirtschaft (VdW südwest) dem Klimaschutz-Engagement der Unternehmensgruppe Nassauische Heimstätte | Wohnstadt ihre Unterstützung zugesichert. GdW-Präsident Axel Gedaschko begrüßt die Initiative zum Zusammenschluss und sieht darin eine Stärkung für die gesamte Branche: „Ein Verbund zwischen den großen und besonders den vielen kleineren und mittleren Unternehmen am Wohnungsmarkt verhilft jedem Einzelnen zu mehr Leistungs- und Innovationskraft. Erforderliche technische, ökonomische, sachliche und insbesondere finanzielle Mittel können so viel effektiver abgeglichen werden. Und: Je mehr Mitglieder zusammenkommen, desto lauter wird die Stimme der Wohnungswirtschaft, um in Politik und Wirtschaft Gehör zu finden.“ 

Nachhaltigkeitsansatz stetig ausbauen
Bereits seit 2014 verfolgt die Unternehmensgruppe Nassauische Heimstätte | Wohnstadt eine eigene Nachhaltigkeitsstrategie als Teil der Unternehmensstrategie. Sie gehört damit innerhalb der Immobilienbranche in Deutschland zu einem kleinen Kreis, der schon von Beginn an nach den Standards der Global Reporting Initiative (GRI) berichtet. Um der Bedeutung des Nachhaltigkeitsansatzes in der Praxis gerecht zu werden, wurde im Unternehmen selbst frühzeitig ein eigenes Managementsystem aufgebaut. Als Nachhaltigkeitsbeauftragter steht an dessen Spitze bis heute Felix Lüter. Sein Team verantwortet alle diesbezüglichen Aktivitäten und dokumentiert diese in jährlichen Nachhaltigkeitsberichten. Als einer der Ideengeber der „Initiative Wohnen 2050“ ist er zugleich Ansprechpartner für potenzielle neue Mitglieder. Sie können dabei auf seine zahlreichen praktischen Erfahrungen und den erworbenen Wissensvorsprung der letzten Jahre zählen. Lüter resümiert: „Bis dato sind zehn Wohnungsunternehmen als Partner beigetreten, über zwanzig weitere sind interessiert. Insgesamt haben sich also bereits Unternehmen in zehn Bundesländern mit der Initiative beschäftigt.“

Felix Lüter
Nachhaltigkeitsbeauftragter
T 069. 6069-1280, felix.lueter@naheimst.de

STATEMENT

Modernisierung: Klimaneutrales Pilotprojekt in 2020

„Die Umsetzung der Zielvereinbarung Klimaschutz wird von unserer Unternehmensgruppe stringent verfolgt: Wir planen im Jahr 2020 erstmals, vier Wohngebäude mit rund 100 Wohnungen so zu modernisieren, dass in der Wärmeversorgung fast ausschließlich regenerative Energien zur Anwendung kommen. Die Gebäudehülle entspricht ungefähr einem Neubaustandard. Dieses Projekt ist wesentlich, um den Weg in eine reine erneuerbare Wärmeversorgung in der Modernisierung auszutesten und so wichtige Erkenntnisse für die Standardisierung zu erhalten. So soll der Primärenergiebedarf um über 80 Prozent reduziert werden. Nach Abschluss der Maßnahmen werden die vier Gebäude einen Primärenergiebedarf vorweisen, der rund 40 Prozent unter dem gesetzlich geforderten Neubaustandard der Energieeinsparverordnung (EnEV) liegt. Dieser wird weitgehend regenerativ gedeckt. Der CO2-Ausstoß soll von 69 auf 13 Kilogramm CO2 pro Quadratmeter im Jahr gesenkt werden.“

Monika Fontaine-Kretschmer
Geschäftsführerin der Unternehmensgruppe Nassauische Heimstätte/Wohnstadt
T 069 6069-1473, monika.fontaine@naheimst.de


STATEMENT

Sozialverträglich modernisieren

„Die Strategie bis 2050 ist klar: Wir müssen mehr Wohneinheiten pro Jahr modernisieren, den Anteil von Vollmodernisierungen erhöhen sowie auf erneuerbare Energien in der Wärmeversorgung setzen. Ab 2025 sollen bei Bestandsmodernisierungen und Neubauten möglichst vollständig Anlagen aus regenerativer Energie inklusive Blockheizkraftwerken und Fernwärme eingesetzt werden. Die nachhaltige Energieerzeugung wird immer wichtiger. Gemäß unserem Gesellschafterauftrag werden wir selbstverständlich darauf achten, dass Mieterhöhungen in einem sozialverträglichen Maß bleiben.“

Dr. Constantin Westphal
Geschäftsführer der Unternehmensgruppe Nassauische Heimstätte | Wohnstadt
T 069 6069-1550, constantin.westphal@naheimst.de


STATEMENT

CO2 –Reduktion ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe

„Aktuell haben wir als Unternehmensgruppe 113 Millionen Euro jährlich für die Modernisierung und Instandhaltung unseres Bestands im Budget. Um die Zielvereinbarung zur CO2-Reduktion zu erfüllen, müssen wir jedoch weitere rund 56 Millionen Euro pro Jahr in den Gebäudebestand investieren. Das ist eine Mehrbelastung, vor der nicht nur wir, sondern die gesamte Branche der Wohnungsbestandshalter steht. Daher betonen wir auch immer wieder, dass die CO2-Reduktion im Gebäudesektor eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe ist – insbesondere vor dem Hintergrund des Gebots, auch zukünftig preisgünstige Mieten bieten zu können. Ohne staatliche Förderung wird dieser gewaltige Umbau nicht zu stemmen sein. Denkbar ist beispielsweise, dass der Bund Mittel aus dem Bundesklimafonds zur Verfügung stellt. Klimaneutralität im Gebäudesektor kann nur erreicht werden, wenn wir uns gemeinsam auf ökonomische und politische Rahmenbedingungen verständigen können. Gerade kleinere und mittelgroße Gesellschaften in unserer Branche haben jedoch nicht die Ressourcen für das erforderliche Know-how, das wir uns bereits im Rahmen unseres Nachhaltigkeitsmanagements über Jahre erarbeitet haben. Die nun von uns initiierte Klima-Initiative versteht sich als Kommunikations-, Vernetzungs- und Umsetzungsplattform – digital und vor Ort – zum Thema Klimaschutz in der Wohnungswirtschaft.“

Dr. Thomas Hain
Leitender Geschäftsführer der Unternehmensgruppe Nassauische Heimstätte/Wohnstadt
T 069 6069-1248, thomas.hain@naheimst.de


STATEMENT

Wohnungswirtschaft hat großes Potenzial zur CO2-Einsparung

„Wir müssen alle anpacken beim Klimaschutz und die Treibhausgas-Emissionen deutlich reduzieren – auch beim Wohnen. Hier liegt noch ein großes Potenzial zur CO2-Einsparung, das wir gemeinsam mit der Unternehmensgruppe erschließen wollen. Mit der Zielvereinbarung kommen wir dem Ziel der Klimaneutralität für ganz Hessen ein gutes Stück näher. Wir wollen erreichen, dass weitere Wohnbaugesellschaften dem Beispiel der Unternehmensgruppe folgen, und werden entsprechende Gespräche aufnehmen.“  

Hessens Umweltministerin Priska Hinz bei der Unterzeichnung der Zielvereinbarung für einen klimaneutralen Gebäudebestand mit der Unternehmensgruppe Nassauische Heimstätte | Wohnstadt

Priska Hinz
Hessische Ministerin für Umwelt,
Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz
Foto: HMUKLV / S. Feige


STATEMENT

Von energetischer Modernisierung profitieren alle

„Ob die Energiewende gelingt, entscheidet sich auch in den heimischen vier Wänden. Über ein Viertel des hessischen Endenergieverbrauchs wenden wir für das Heizen unserer Wohnungen und die Warmwassererzeugung auf. Das lässt sich mit heutigen Mitteln drastisch reduzieren, ohne dass dafür irgendjemand mit kalten Füßen im Wohnzimmer sitzen müsste. Im Gegenteil: gute Dämmung, neue Fenster und eine effiziente Heizung sparen nicht nur Energie und Energiekosten, sondern steigern sogar die Behaglichkeit. Von einer energetischen Modernisierung profitieren also Bewohnerinnen und Bewohner ebenso wie Umwelt und Klima. Deswegen ist es unser Ziel, energieeffizient zu bauen und die Modernisierungsrate im Bestand deutlich zu erhöhen.“

Hessens Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir bei der Unterzeichnung der Zielvereinbarung für einen klimaneutralen Gebäudebestand mit der Unternehmensgruppe Nassauische Heimstätte | Wohnstadt

Tarek Al-Wazir
Hessischer Minister für Wirtschaft,
Energie, Verkehr und Wohnen


Stimmen der Partner

 

Als wichtiger regionaler Akteur setzen wir uns für Klimaschutz ein. Die Zeit läuft – und gemeinschaftlich lassen sich die Herausforderungen viel besser bewältigen. Der Erfahrungs- und Wissensaustausch in der Wohnungswirtschaft ist für uns einer der großen Vorteile der Initiative Wohnen 2050. Darüber hinaus soll Transparenz in Richtung Markt und Politik geschaffen werden, was die Bezahlbarkeit und Finanzierung der politischen Forderungen betrifft. Wir sind an ergebnisorientierten Lösungen interessiert und unterstützen die Initiative sehr gerne.

Stefan Storz
Geschäftsführer der VOLKSWOHNUNG
Foto: VOLKSWOHNUNG


Als eines der führenden Wohnungsunternehmen in Nordrhein-Westfalen nehmen wir unsere gesellschaftliche Verantwortung sehr ernst. Dazu gehört vor allem die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum und die Einhaltung der sehr ambitionierten Zielsetzungen gemäß Klimaschutzgesetz sowie die Sicherstellung unseres wirtschaftlichen Erfolgs. Dieser Dreiklang stellt die Wohnungswirtschaft jedoch vor eine Mammutaufgabe. Ein Spannungsfeld, das wir nur lösen können, wenn wir die Kräfte in der Branche bündeln und in einen offenen sowie intensiven Erfahrungsaustausch treten. Die Initiative Wohnen 2050 bietet hierfür erstmalig einen konkreten Rahmen.

Claudia Goldenbeld
Sprecherin der Geschäftsführung von VIVAWEST
Foto: VIVAWEST


Als Hofheimer Wohnungsbaugesellschaft wollen wir uns den verbindlich vereinbarten Klimaschutzzielen der Bundesregierung proaktiv stellen, und die Zeit drängt uns, um die Ziele erreichen zu können. Es liegt in unser aller Interesse, den Klimaschutz weiter zu stärken und dafür unsere Wohnungsbestände klimaneutral zu entwickeln, ohne dabei die Mieterinnen und Mieter über Gebühr zu belasten. Deshalb sind wir stolz darauf, einer der ersten Mitglieder der Initiative Wohnen 2050 zu sein. Mit unserem Engagement erhoffen wir uns, Einfluss auf den Transformationsprozess nehmen zu können, vor dem wir Wohnungsbauunternehmer alle stehen. Wir sind schon sehr gespannt auf das Gründungstreffen zu Beginn des Jahres 2020 und erste Ergebnisse unserer gemeinsamen Arbeit, die in politische Entscheidungen einfließen muss – und gemeinsam ist man lauter. Und einen schönen Nebeneffekt hat die Initiative auch: Man lernt sich in der Branche besser kennen und knüpft wichtige Kontakte. Nutzen wir also die Initiative Wohnen 2050, damit wir handlungsfähig bleiben!

Norman Diehl
Geschäftsführer der Hofheimer Wohnungsbau GmbH
Foto: HWB


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