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Durch Kooperationen mehr erreichen

Rückblick Expo Real

Sechs Fachgespräche mit unterschiedlichsten Themen waren auch 2019 Höhepunkte des Expo-Real-Auftritts der Unternehmensgruppe Nassauische Heimstätte | Wohnstadt. Experten aus Wohnungswirtschaft, Stadt- und Projektentwicklung diskutierten mit Vertretern von Kommunen, Verbänden, Hochschulen und Instituten wichtige Fragen, die derzeit den Nerv der Branche treffen.

Foto: Sven Neidig

Nicht nur beim traditionellen „Hessentreff“ tummelten sich zahlreiche Gäste auf dem 164 Quadratmeter großen Stand 440 in Halle C1. Auch die insgesamt sechs Fachgespräche der Unternehmensgruppe Nassauische Heimstätte | Wohnstadt (NHW) – alle sachkundig moderiert von Patricia Küll vom SWR – lockten viele Besucher an. Der Kick-off für ein auf die Zukunft der Immobilien- und Wohnungswirtschaft ausgerichtetes Engagement fand um 11 Uhr am Dienstagmorgen statt: Der Präsident des Bundesverbandes deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen (GdW), Axel Gedaschko, Dr. Thomas Hain, Leitender Geschäftsführer der NHW, und der Nachhaltigkeitsbeauftragte der Gesellschaft, Felix Lüter, stellten die an die gesamte Branche gerichtete „Initiative Wohnen 2050“ vor.

Gleich im Anschluss folgte ein weiteres Highlight: Das zweite Kooperationsangebot der NHW betrifft die möglichst breite Nutzung smarter Ideen junger PropTechs: hubitation associates. Das größte hessische Wohnungsunternehmen bietet interessierten Branchenkollegen an, ihrem Startup-Accelerator als assoziiertes Mitglied beizutreten und in Pilotprojekten neue Technologien auf Praxistauglichkeit zu testen. Im Rahmen der Messe haben die ersten beiden Partner einen Kooperationsvertrag unterschrieben. Die VOLKSWOHNUNG GmbH aus Karlsruhe und die Baugenossenschaft Langen eG – die Wohnraumkönner – werden künftig mit hubitation und den Startups rund um Innovationen für das Wohnen der Zukunft gemeinsame Sache machen.

Auch in diesem Jahr verfolgten zahlreiche Besucher die Fachgespräche am Stand der NHW. Foto: Sven Neidig

Bewegung in der Stadtentwicklung 
Das erste Fachthema am Montag war überschrieben mit: „Wie lässt sich Wohnungsbau steuern? Konzeptvergabe und Baulandausweisung als Lösungsansätze im Städtebau“. Daniela Wagner, Mitglied des Bundestages und Sprecherin für Stadtentwicklung der Bundestagsfraktion von Bündnis 90 / Die Grünen, brach eine Lanze für das neue Verfahren: „Ein gutes Konzept beteiligt viele Akteure, auch solche, die von den klassischen Ausschreibungen nicht angesprochen werden.“ Axel Gedaschko hob die Bedeutung konstant günstigen Baulandes hervor: „Bezahlbarer Grund wird in vielen Kommunen am Sonntag versprochen, am Montag fordert der Kämmerer wieder den Höchstpreis.“ Deshalb habe das Land Hessen Städten und Gemeinden einen Leitfaden an die Hand gegeben, erläuterte Monika Fontaine-Kretschmer, Geschäftsfüh-
rerin der NHW: „Dadurch rücken ganz andere Themen in den Vordergrund: preiswerte Wohnungen etwa oder Klimaschutz.“ Friedrichsdorfs Bürgermeister Horst Burghardt betonte, dass die bei einer Konzeptvergabe vorgesehene breite Einbindung der Interessengruppen auch vielfach zu einem schnelleren Konsens führe. 

Behutsamer Ausbau der Städte
Mit „Projektentwicklung – Raum im Wandel, wo im Moment die Post abgeht“ war das zweite Fachgespräch des ersten Messetags betitelt. Der Hessische Staatsminister für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Wohnen, Tarek Al-Wazir, zeigte am Beispiel seiner Heimatstadt Offenbach, wie die Eröffnung der S-Bahn-Linie vor 24 Jahren einen Boom auslöste. Seine Quintessenz: „Ein Hauptaugenmerk liegt sicherlich auf der Schiene.“ Offenbachs Oberbürgermeister Dr. Felix Schwenke legte dar, wie seine Kommune den Boom steuert: „Wir haben auf breiter Basis einen Masterplan bis 2030 entwickelt – und an dem wird auch nichts mehr geändert.“ Dr. Constantin Westphal, Geschäftsführer der NHW, kündigte an, dass die Unternehmensgruppe in den nächsten Jahren weiter mit Vehemenz den Wohnraummangel bekämpfen und um 15.000 auf dann 75.000 Einheiten wachsen werde – vor allem geförderter Wohnungsbau sei notwendig. 

Dennoch: Das erforderliche rasante Wachstum finde nicht bei allen Zustimmung, so die Erfahrung von Darmstadts Oberbürgermeister Jochen Partsch: „Es gibt enormen Widerstand gegen neue Stadtteile.“ Ein gewisses „Standing der Politik“ forderte daher der Hanauer Oberbürgermeister Claus Kaminsky – und auch mehr Kooperation. Al-Wazirs Fazit: „Die Zeit der Kirchturmpolitik ist endgültig vorbei.“

Gute Stimmung bei der Eröffnung des traditionellen „Hessentreffs“ zeigten der Leitende NHW-Geschäftsführer Dr. Thomas Hain (l.) und Hessens Staatsminister Tarek Al-Wazir. Fotos: Sven Neidig
Prof. Alexander Rudolphi, Präsident der DGNB, überreichte Geschäftsführerin Monika Fontaine-Kretschmer die DGNB Zertifizierung in Gold für die Adolf-Miersch-Siedlung in Frankfurt-Niederrad, die zum Bestand der NHW gehört.

Digitalisierung als Zukunftsfaktor
Dienstag, zweiter Messetag: Nach dem Start der „Initiative Wohnen 2050“ drehte sich beim nächsten Round Table alles um „Smart Cities, Hubs und Strategien – die Herausforderungen der digitalen Zukunft“. Dr. Claudia Nagel, CEO High Rise Ventures GmbH, stellte fest, dass es „größeren Unternehmen leichter als Kleinstunternehmen“ falle, neue Techniken zu nutzen und zu implementieren. Mehr Tempo mahnte auch Dr. Axel Tausendpfund, Verbandsdirektor der Südwestdeutschen Wohnungswirtschaft VdW südwest, an: „Wir müssen viel schneller auf den Zug aufspringen.“ Genau deshalb habe die NHW hubitation ins Leben gerufen, so der Leitende Geschäftsführer Dr. Thomas Hain, „um die Brücke zwischen der Erfahrung etablierter Unternehmen und PropTechs zu schlagen“. Der Startup-Accelerator sei zukünftig für alle Wohnungsunternehmen offen: Ebenfalls sozial ausgerichtete Gesellschaften können als „associates“ mit den im Pool registrierten Startups eigene Projekte entwickeln. 

Die beiden Sieger des diesjährigen hubitation contests, Dr. Annette Mossel, CEO von frameless, und Levent Valente, Co-Founder von sphira, lobten Idee und Zusammenarbeit: „Die Pilotprojekte mit der Unternehmensgruppe garantieren, dass wir unsere Produkte praxisnah schneller zur Marktreife führen.“ 

Grün macht attraktiv
Monika Thomas, Ministerialdirigentin im Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat, kündigte in der Talkrunde „Fit mit blauer und grüner Infrastruktur – das Umland als Entlastungsraum für Metropolen“ einen Paradigmenwechsel in der Förderpolitik des Bundes an. Das Ministerium habe „ein neues Konzept entwickelt“.

Stadtgrün sei demnach ein „Querschnitt-Thema“, was bedeutet, dass ohne integrierte Grünflächenplanung kein Antrag mehr berücksichtigt werde. Prof. Dr. Frank Roost, Fachgebiet Stadt- und Regionalplanung Universität Kassel, postulierte, dass man auch in diesem Kontext „die Stadt-Land-Dichotomie überwinden“ müsse. Markus Eichberger, Leiter ProjektStadt, Stadtentwicklungsmarke der NHW, unterstrich diesen Vorstoß: „Grüne Infrastruktur erhöht die Resilienz einer Region.“ Thomas Kaminski, Bürgermeister der Stadt Schmalkalden, nannte ein Beispiel, wie seine Gemeinde das Thema Grünflächen – und deren Zusatzfunktionen – umsetze: „Wir realisieren Freiräume zwischen Wohnblöcken – auch, um mehr Kommunikation zu ermöglichen.“

Foto: Sven Neidig

Klimaschutz im Wohnungsbau
Noch konkreter wurde es beim letzten Fachgespräch: „Qualität, Effizienz und Klimaschutz – der nicht mehr ganz so neue Dreiklang im Wohnungsbau.“ Professor Alexander Rudolphi, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB), erläuterte: „Architektur, Ökologie und Effizienz müssen von vornherein integriert gedacht werden.“ Auf die Dringlichkeit dieses Problems wies auch Dr. Monika Meyer, Geschäftsführerin Institut Wohnen und Umwelt, hin: „Um die Klimaschutzziele zu erreichen, liegt der Sanierungsbedarf etwa beim Doppelten der jetzigen Quote.“ Daher habe, so NHW-Geschäftsführerin Monika Fontaine-Kretschmer, die Unternehmensgruppe ihre Modernisierungsquote auf über 1.200 Wohnungen pro Jahr erhöht. Dennoch müsse jeder Fall einzeln betrachtet werden, mahnte Reiner Nagel, Vorstandsvorsitzender der Bundesstiftung Baukultur: „Jedes Gebäude braucht eine eigene Optimierungsstrategie.“ Zuletzt berichtete Fontaine-Kretschmer über eine NHW-Bestandssiedlung in Frankfurt-Niederrad, die als „erstes Quartier im bezahlbaren Wohnungsbau“ eine DGNB Zertifizierung in Gold erhalten habe (s. Seite 33). Die Urkunde wurde ihr im Anschluss an das Gespräch überreicht.

Fazit: Die positive Resonanz auf die thematisch breit gefächerten Diskussionsrunden hat das offene und kommunikativ geprägte Messekonzept erneut bestätigt. NHW-Geschäftsführer Dr. Hain sieht dem Jahr 2020 bereits mit Spannung entgegen: „Dann werden wir sicherlich viele Themen vertiefen und neu beleuchten. Und: es kommen mit Sicherheit weitere hinzu, die die Wohnungswirtschaft dann ebenfalls bewegen werden.“

Jens Duffner
Leiter Unternehmenskommunikation,
T 069 6069-1321, jens.duffner@naheimst.de

Foto: Sven Neidig

Visionäre im Dialog

Heidelbergs Bürgermeister Hans-Jürgen Heiß (r.), Heidelbergs Erster Bürger-meister Jürgen Odszuck (2. v. l.) und Paul Johannes Fietz, Vorstand der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA, l.), haben auf der Expo Real eine Vereinbarung zur baulichen Entwicklung der ehemaligen US-Wohnsiedlung Patrick-Henry-Village (PHV) unterzeichnet. Auf der fast 100 Hektar großen Fläche soll ein neuer, visionärer Stadtteil mit Wohnungen für bis zu 10.000 Menschen und Raum für 5.000 Arbeitsplätze entstehen – ein Modellquartier für Multi-Mobilität sowie Wohnen und Arbeiten im Zeitalter der Digitalisierung. Unter der Ägide der Internationalen Bauausstellung (IBA) erarbeiten internationale Planungsbüros einen dynamischen Masterplan für eine „Wissensstadt der Zukunft“. Die Talkrunde „PHVision Heidelberg – zukunftsweisende Stadtentwicklung“ beleuchtete den Status quo und bot einen perspektivischen Ausblick. Neben den Unterzeichnern mit dabei: IBA-Direktor Prof. Michael Braum (2. v. r.) und Moderatorin Martina Fendt, Projektleiterin ProjektStadt, die mit ihrem Experten-Team mit der fachlichen Moderation des Prozesses zur Erstellung des dynamischen Masterplans beauftragt ist.


Foto: NHW

Schönhof-Viertel: weiterer Meilenstein

Wichtige Schritte für die Entwicklung des künftigen Schönhof-Viertels, das in Frankfurt-Bockenheim entsteht: Die Unternehmensgruppe Nassauische Heimstätte | Wohnstadt (NHW) hat kurz vor der Expo Real zwei Baufelder von ihrem Projektpartner, dem börsennotierten Wohnentwickler Instone Real Estate, erworben. Beide Areale verfügen zusammen über eine Bruttogrundfläche von etwa 26.500 Quadratmetern – ausreichend Platz für rund 210 Wohnungen, ein Hostel und eine Kita. Mit dem jüngsten Erwerb erhöht die NHW ihr Engagement im Schönhof-Viertel von bisher rund 116.000 auf nunmehr circa 140.000 Quadratmeter Bruttogrundfläche (s. Seite 27). Auf der Messe unterzeichneten beide Projektpartner, vertreten durch Dr. Constantin Westphal, NHW-Geschäftsführer (l.), Andreas Gräf, Vorstandsmitglied Instone Real Estate Group AG (M.), und Ralf Werner, Instone-Niederlassungsleiter Rhein-Main (r.), sowie die Stadt Frankfurt am Main eine Absichtserklärung (Letter of Intent) zu den Rahmenbedingungen der Baurechtschaffung. 


Foto: Sven Neidig

Das Wohnen der Zukunft

Mit einer großen Bandbreite an Ideen hatten sich rund 60 junge Unternehmen für den „hubitation contest 2019“ beworben, acht wurden ausgewählt. Im Deutschen Architekturmuseum stellten die Finalisten ihre Startups und die mit den Sparringspartnern der NHW erarbeiteten Pilotprojekte für das Wohnen der Zukunft vor. Am Ende entschied eine interdisziplinär besetzte Jury über die Gewinner, die sich beide mit Virtual und Augmented Reality befassen. Auf der Expo Real durften die Sieger, Dr. Annette Mossel, CEO frameless (2. v. r.), und Levent Valente, Co-Founder sphira (2. v. l.), ihre Technologien am Stand der NHW präsentieren. „Ziel von hubitation ist es, jungen Unternehmen den Weg in die Wohnungswirtschaft zu ebnen“, sagte Dr. Thomas Hain, Leitender Geschäftsführer der NHW (r.). „Wir bieten Erfahrung, ein funktionierendes Geschäftsmodell sowie die Vernetzung innerhalb der Branche. Im Gegenzug unterstützen die Startups uns beim Transformationsprozess von der analogen in die digitale Welt.“ Links im Bild: Herbert Hunkel, Bürgermeister der Stadt Neu-Isenburg.


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