Stadtentwicklung

141 Hektar Wohnfläche in drei Jahren

Bauland-Offensive Hessen

Die Bauland-Offensive Hessen läutet Phase II ein: Sie entwickelt Baugebiete im Namen der Kommunen.Das hat für die Städte und Gemeinden deutliche Vorteile. Zusätzlichen Schub verleiht die Initiative „Großer Frankfurter Bogen“.

Bis heute hat die Bauland-Offensive Hessen ein Potenzial für 13.700 neue Wohnungen ermittelt. Foto: Marc Strohfeldt

„Wir sichern die Bezahlbarkeit von Wohnungen“, überschreibt Monika Fontaine-Kretschmer, Geschäftsführerin der Unternehmensgruppe Nassauische Heimstätte | Wohnstadt (NHW), das Ziel, das deren Tochtergesellschaft Bauland-Offensive Hessen GmbH (BOH) verfolgt. Die Bilanz seit Gründung im Frühjahr 2017 kann sich sehen lassen: 19 Machbarkeitsstudien für neue Grundstücke sind fertiggestellt, ebenso viele in Arbeit. Gesamtpotenzial: 141 Hektar Wohnfläche oder 13.700 neue Wohnungen, vorrangig bezahlbare Mietbauten. Dieses Potenzial gelte es, so Fontaine-Kretschmer, „schnell und kostengünstig zu heben“.

Hierfür hat die BOH jetzt die zweite Phase eingeleitet und formuliert derzeit die dafür notwendigen Verträge. Parallel läuft ein europaweites Präqualifizierungsverfahren, um geeignete Entwicklungsgesellschaften mit ins Boot zu holen. „Wir wollen den Markt mit einbinden, damit starke Partnerschaften für unsere Kunden gewährleisten, um dann gemeinsam soziale und qualitativ hochwertige Quartiere zu schaffen“, erklärt Gregor Voss, Leiter Stadtentwicklung Hessen Süd und verantwortlich für die BOH.

Die BOH unterstützt Kommunen dabei, mindergenutzte oder brachgefallene Flächen zu lokalisieren, deren Potenzial zu bewerten und sie für eine Vermarktung vorzubereiten. Foto: Steffen Diemer

Baulandentwicklung losgelöst vom kommunalen Haushalt
Sein Kollege Ulrich Türk, in Nordhessen für die Stadtentwicklung zuständig, erläutert: „Zwingende Voraussetzung ist eine Machbarkeitsstudie.“ Danach kann die Kommune den Antrag auf den Erwerb von Gesellschafteranteilen an der BOH stellen und einen Entwicklungsträgervertrag abschließen. Voss: „Wenn die Gemeinde Anteile an der landeseigenen Gesellschaft erwirbt, wird die BOH wie ein Eigenbetrieb bewertet.“ Darüber hinaus spare sich die Kommune eine europaweite Ausschreibung, da die BOH bereits Partner verpflichtet hat. Größtes Plus sei aber, dass die Projektentwicklung „außerhalb des städtischen Haushalts“ stattfinde, so Türk. „Auf Basis der Machbarkeitsstudie stellt die BOH die Finanzierung sicher und verwaltet die Gelder treuhänderisch“, ergänzt Voss. Beinahe noch wichtiger aber ist die kompetente Personalpower, die sich die Kommune mit der Bauland-Offensive ins Haus holt. Das „Bauamt auf Zeit“, wie Türk es ausdrückt, gebe die Leistungsbeschreibung vor, sichere die Grundstücke und vermarkte sie später. Bauleitplanung, Bodenordnung oder Erschließung vergibt sie an externe Dienstleister. Voss: „Die Kommune bleibt immer Herr des Verfahrens und gestaltet somit aktiv den Prozess zur Schaffung lokalen Wohnraums.“  

Günstiges Bauland – bezahlbarer Wohnraum
Während des gesamten Prozesses achtet die BOH darauf, dass Grundstücke preiswert bleiben, damit „Bauträger nicht später gezwungen sind, doch hochpreisigen Wohnraum“ zu realisieren. Die Machbarkeitsstudie gebe Mietzins oder Verkaufspreise vor und rechnet aus, unter welchen Bedingungen ein Projekt marktgängig bleibt. Zudem legt die BOH die städtebaulichen Zielsetzungen und Qualitäten über entsprechende Verträge mit Flächeneigentümern beziehungsweise Investoren fest. Fördermittel rechnen die Entwickler gleich mit ein. Ergebnis: Die Experten erwarten im Schnitt rund ein Drittel „bezahlbaren Wohnraum“.  

Zusätzliche Dynamik entsteht derzeit durch die Initiative „Großer Frankfurter Bogen“. Innerhalb einer Bahnstrecke von 30 Minuten rund um Frankfurt vergibt das Hessische Wirtschaftsministerium „Vorteilspakete“ für Kommunen, die bezahlbaren Wohnraum schaffen. Der BOH kommt auch hier eine Schlüsselrolle zu: Wichtiger Bestandteil der Förderung ist, dass das Land den Eigenanteil der Kommune für die Machbarkeitsstudie übernimmt, ebenso den Eigenanteil für den sozialen Wohnungsbau. Hinzu kommt die vorrangige Berücksichtigung bei Förderprogrammen. Voss: „Wir haben bereits jetzt zehn neue Flächen zur Begutachtung auf dem Schreibtisch. Und das ist erst der Anfang ...“ 


Gregor Voss
Leiter Fachbereich Stadtentwicklung Hessen Süd ProjektStadt
T 069 6069-1478, gregor.voss@nh-projektstadt.de

Dipl.-Ing. Ulrich Türk
Leiter Fachbereich Stadtentwicklung Nord bei der Unternehmensgruppe Nassauische Heimstätte | Wohnstadt


Stimmen zur Bauland-Offensive

 

„Die Stadt Heusenstamm war eine der Pilotkommunen der Bauland-Offensive Hessen. Wir haben zwei ehemals gewerbliche Gebiete untersucht. Der ‚Große Frankfurter Bogen‘ bietet uns die Chance, mit Fördermitteln dringend benötigten, preisgünstigen Wohnraum zu schaffen und Zuschüsse für Investitionen in die soziale Infrastruktur zu erhalten.“

Halil Öztas
Bürgermeister der Stadt Heusenstamm
Foto: Magistrat der Stadt Heusenstamm


„Die Stadt Maintal legt in der Wohnungsbauentwicklung den Schwerpunkt auf qualitatives Wachstum, vorzugsweise durch Nachverdichtung und Konversion. Die Initiative des Wirtschaftsministeriums hilft uns, für geeignete Gebiete schneller Konzepte zu erarbeiten. Mit der Unterstützung des Landes für die Infrastruktur können Baulandentwicklungen unabhängig von Haushaltszwängen einfacher umgesetzt werden.“

Monika Böttcher
Bürgermeisterin der Stadt Maintal 
Foto: Anne Schelhaas-Wöll, Maintal / Stadt Maintal


„Wir verdichten in der Innenstadt nach und entwickeln Neubauflächen. Da wir auch kostengünstigen Wohnungsbau schaffen wollen, erleichtert uns die Initiative ‚Großer Frankfurter Bogen‘ die Realisierung finanziell. Wir haben für eine Fläche die Hilfe der Bauland-Offensive bereits in Anspruch genommen.“

Horst Burghardt
Bürgermeister der Stadt Friedrichsdorf
Foto: Fotostudio Blende 8


Zurück