Stadtentwicklung

Bürgerbeteiligung offline und online

Fachkonferenz

Die Rolle der Bürgerbeteiligung wächst – sei es im Rahmen von städtebaulichen Sanierungs- und Entwicklungsmaßnahmen oder bei der Erarbeitung Integrierter Stadtentwicklungskonzepte. Über Chancen, Hemmnisse und Best Practice-Beispiele diskutierten Spezialisten bei einer Fachkonferenz im November.

Kleinere Diskussionsrunden boten die Möglichkeit zum intensiven Austausch. Foto: Steffen Diemer

Nicht selten ist das aktive Mitwirken der Bürgerinnen und Bürger entscheidend in Bezug auf Legitimität sowie Qualität und Akzeptanz eines Stadtplanungsprojekts. Doch wie gelingt es, Bürgerbeteiligung von Beginn an als festen Bestandteil in Planungen und Abläufe zu integrieren? Welche Möglichkeiten bieten sich dafür – online wie offline? Diesen und weiteren Fragen widmete sich die diesjährige Fachkonferenz „Stadtplanung und Stadtentwicklung – Bürgerbeteiligung stärken“, die von der wer denkt was GmbH gemeinsam mit der ProjektStadt ausgerichtet wurde. Über 40 Vertreter aus deutschen Städten und Gemeinden, öffentlichen Verwaltungen sowie der Forschung waren der Einladung nach Darmstadt gefolgt. In Kooperation mit „wer|denkt|was“ hat die ProjektStadt in den letzten Jahren eine Reihe von Tools zur digitalen Beteiligung erfolgreich in Pilotkommunen eingesetzt.

Vorbehalte abbauen
Nach der Begrüßung durch Dr. Robert Lokaiczyk, Geschäftsführer der wer denkt was GmbH, und Markus Eichberger, Unternehmensbereichsleiter Stadtentwicklung der ProjektStadt, stand eine umfangreiche Tagesordnung auf der Agenda. Versiert führte Moderator Ulrich Türk von der ProjektStadt die Teilnehmer durch das Programm. Im ersten Vortrag „Planung und Beteiligung zusammen denken – Dialogkultur im Wandel“ zeigten die ProjektStadt-Experten Martina Fendt, Marius Becker und Jan Thielmann, wie es gelingt, Planung und Beteiligung zusammenzuführen. Denn: Dialogische, integrierte Planungsprozesse werden zunehmend komplexer. Sie beinhalten Konzeption, Vorbereitung, Moderation, Dokumentation und Auswertung von verschiedenen crossmedialen Beteiligungsverfahren, die aufeinander aufbauen. Neben aktuellen Trends stellte das Trio schlaglichtartig einige Praxisbeispiele vor und beleuchtete so die Bandbreite an Beteiligungsmöglichkeiten. Ihr Fazit: Eine umfassende Mitbestimmung aller Akteure fördert die Akzeptanz von Vorhaben und führt oftmals sogar zu einer Beschleunigung der Maßnahme, da Ängste und Vorbehalte abgebaut werden.

Über 40 Teilnehmer waren zur Fachkonferenz nach Darmstadt gekommen. Foto: Steffen Diemer

Digitale Lösungen als sinnvolle Ergänzung
Im Anschluss referierte Theresa Lotichius, Abteilungsleiterin Bürgerbeteiligung bei „wer|denkt|was“, über „Online-Beteiligung in der Stadtentwicklung und Stadtplanung – Verschränkung von Online- und Offline-Formaten“ und stellte verschiedene Lösungen und Best Practice-Beispiele vor. Dabei hob die Expertin hervor, dass beim Städtebau bislang informelle Beteiligungsverfahren vor Ort – wie Bürgerwerkstätten und Stadtspaziergänge – dominieren. Digitale Lösungen wie Ideenkarten oder Befragungen seien jedoch eine sinnvolle Ergänzung, um zeit- und ortsungebunden Stimmungsbilder einzufangen sowie Informationen zugänglich zu machen. Komplettiert wurde der Vortrag von Alexandra Eberhard, Leiterin der Stabsstelle Bürgerbeteiligung der Stadt Friedrichshafen, die über Erfahrungen sowie von Chancen und Hemmnissen in der Praxis berichtete. Dabei stellte sie anhand der Plattform www.sags-doch.de der Stadt Friedrichshafen und des Bodenseekreises die „Lernkurve“ im Bereich digitaler Bürgerbeteiligung vor.

Zentraler Erfolgsfaktor: Bürgerbeteiligung
Kleinere Diskussionsrunden boten am Nachmittag die Möglichkeit zum Netzwerken. Dabei ging es unter anderem um geeignete Tools und Beteiligungsverfahren, um Stolpersteine, die Einrichtung von informellen Gremien, die frühzeitige Einbindung von Multiplikatoren sowie die Frage der Aktivierung der Bürgerschaft und den Umgang mit Konflikten. „Wir freuen uns über den intensiven Austausch auf unserer Fachkonferenz. Es war wenig überraschend, dass sich die Teilnehmenden schnell einig waren, dass eine frühzeitige Bürgerbeteiligung insbesondere bei Projekten und Vorhaben im Bereich der Stadtplanung und -entwicklung ein zentraler Erfolgsfaktor ist. Auf der Konferenz konnten wir die mittlerweile große Bandbreite an Möglichkeiten aufzeigen und die verschiedenen Perspektiven diskutieren“, fasste Lotichius am Ende der Veranstaltung zusammen.

Markus Eichberger
Leiter Unternehmensbereich Stadtentwicklung
T 069 6069-1507, markus.eichberger@nh-projektstadt.de

STATEMENT

„Neue Gestaltungsspielräume eröffnen“

Stadtentwicklung ist ein fortlaufender Prozess. Ob Mobilität, Energie, digitaler Wandel oder bezahlbarer Wohnraum – Ziel ist es, die Lebensqualität in den Städten und Gemeinden stetig weiterzuentwickeln. Die Bürgerinnen und Bürger fordern dabei zurecht Möglichkeiten der Mitsprache ein. Digitale Tools wie interaktive Ideenstadtkarten oder Online-Diskussionsforen eröffnen neue Gestaltungsspielräume und Möglichkeiten der Beteiligung, die ich sehr befürworte. Bürgernahe, smarte Kommunen und Regionen erfordern den digitalen Zugang zu wichtigen Services. Digitale Tools können Beteiligungsverfahren auch überregional erleichtern. Das Land Hessen und die Kommunen arbeiten daher eng bei der Umsetzung des Onlinezugangsgesetzes zusammen, damit der „Gang auf das Amt“ zukünftig im „Digitalen Rathaus“ möglich ist.

Patrick Burghardt
Staatssekretär bei der Hessischen Ministerin für Digitale Strategie und Entwicklung 
Foto: Staatskanzlei / Salome Roessler

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